Erlebnisreiche Tage in Hochsavoyen

Zum 12. Mal besuchen sich Schüler des Peter-Wust-Gymnasiums Merzig und des ‘Collège Jean-Monnnet’ von Saint-Jorioz.
7. Oktober 7:30 Uhr: 39 erwartungsvolle Mädchen und Jungen der Klassenstufen 7 und 8 eilten in Begleitung ihrer Eltern zum Bus und verluden mit Hilfe des Fahrers ihr Gepäck. Anschließend hatten sie sich schnell auf einen Sitzplatz geeinigt. Verabschieden und Winken, aber die Gedanken waren längst auf die Fahrt ‘Annecy und St.Jorioz, den Ort des ‘Collège Jean Monnet’ ausgerichtet. Die begleitenden Lehrer Gerhard Croon und Hanna Kaißling sowie die Pensionäre Renate Schähle und Gerhard Vetter, die dem Austausch auch lange nach ihrer aktiven Lehrertätigkeit treu geblieben sind, hofften auf einen erneuten erfolgreichen Austausch.

Langsam rollte der Bus davon: das Abenteuer konnte beginnen.
Ein besonderes Erlebnis und zugleich erster Höhepunkt war die Rast an de ‘Restoroute de la Gruyère’, 50 Kilometer hinter Basel. Malerische Berglandschaft mit Blick auf den See von Gruyère und Bewegung im Freien waren nach dem Geschmack der Kinder, die Preise eher nicht. Wegen zweier längerer Staus fuhr der Bus erst um 18:45  vor der Schule vor.
Die Spannung beim Erkennen der Partnerschüler und deren Eltern löste sich rasch auf. Frau Métral, die französische Leiterin des Austausches, hatte alle in einer viertel Stunde zugeordnet - ein neues Zuhause war gefunden.
Sonnenschein - er beleuchtete die umgebenden Berge in den schönsten Herbstfarben - lud am ersten Vormittag zum Besuch der Schule ein. Zwei Gruppen wurden durch das Schulhaus geführt. Sogleich fiel allen auf, wie streng die Ordnung geregelt ist: Immer wieder Auf- und Zuschließen, kein Schüler war zu sehen, da passten die ‘surveillants’ schon auf. Das Schultor war abgeschlossen, während der Schulzeit kann niemand das Gelände verlassen. Die treffende Bemerkung eines Jungen: „Bei uns geht man einfach ins Schulgebäude hinein und wieder hinaus.“ Nach dem Besuch einer Unterrichtsstunde und des ‘CDI’, dem Vorbild für die Mediathek im PWG, aber wesentlich größer und besser ausgerüstet als diese, aßen die Deutschen zum ersten Male in einer französischen Kantine.
Der Nachmittag galt der Glockengießerei ‘Paccard’. Zur Einführung zeigte ein Film in deutscher Sprache den Vorgang des Glockengusses. Gespannt konnten alle zuschauen, wie eine kleine Glocke gegossen wurde. Eine sehenswerte Ausstellung zur Geschichte dieses uralten Handwerks vertiefte die gewonnen Eindrücke. Zum Schluss sang die Tochter und wohl auch Leiterin dieses Unternehmens mit heller, klarer Stimme Lieder zu den Klängen eines Paccard-Glockenspiels.
Der Freitag sollte zum Höhepunkt werden. Sonne lachte vom blauen Himmel, als sich Deutsche und Franzosen gemeinsam zur Bergwanderung zum ‘Grand Chinaillon’ aufmachten. Obwohl viele zum Gipfel mitwandern wollten, blieb der Anstieg nur wenigen vorbehalten, da Gerhard Croon alleine nur 12 Kinder mitnehmen konnte. Die Enttäuschung stand einigen ins Gesicht geschrieben. Aber auch sie kamen nicht zu kurz, denn der zweite flachere Weg führte duch einmalige Landschaft, mit unvergesslichem Blick auf einen ruhigen See, in dem sich die Berge spiegelten und herrlicher Sicht aus zum Teil 1450 Meter Höhe in noch grüne, schon herbstlich gefärbte Täler und auf prächtige Chalets.
Am Abend dieses randvollen Tages fand in der Schule eine Party, ‘la boum’, statt. Es gab ein hervorragendes Einvernehmen und Kreativität beider Gruppen, die nicht eine Minute Langeweile aufkommen ließen. Für Essen und Trinken hatten die Gasteltern reichlich gesorgt, und so manche savoyardische Spezialität erfreute sich regen Zuspruchs. Um 22:00 Uhr fand das Treiben ein Ende und mit größter Selbstverständlichkeit gingen alle nach Hause.
Das Wochenende verbrachten die Kinder in den Gastfamilien. Fast alle lernen sowohl ihre Partner als auch deren Eltern besser kennen, gewöhnen sich leichter an den französischen Alltag. Gemeinsame Ausflüge und Wanderungen in die schöne Bergwelt Savoyens ermöglichen vertrauten Umgang miteinander, festigen Freundschaft über den Austausch hinaus.
Die Berichte am Montag bestätigten weitgehend die Erwartungen, während der Busreise nach Lyon gab es viel zu erzählen. De Stadt zeigt sich grau und verhangen. Das förderte nicht die Begeisterung für die Führung in deutscher Sprache. Aber beide Gruppen folgten aufmerksam den sachkundigen Schilderungen und hatten am Ende einen guten Eindruck von Lyons Altstadt, seiner Entstehung und seiner Geschichte. Die anschließende Freizeit nutzten die Kinder für ein ‘casse-croute’, Geschäftsbummel in der Fußgängerzone, Einkauf von Geschenken und Andenken. Die Rückfahrt dauerte wieder  2,5 Stunden. Rückblickend  würde man den weiten Ausflug durch ein Ziel in der Nähe ersetzen.
Des anhaltenden Regens wegen konnte Klettern im ‘accrobranche’, einem Kletterpark im Wald von ‘Talloires’, der bei gutem Wetter auch einen beeindruckenden Blick auf den See von Annecy bietet, zum großen Bedauern vieler nicht stattfinden. Stattdessen bestaunten die Kinder in einem riesigen Einkaufszentrum von amerikanischem Ausmaß die Überfülle des Angebots, vor allem französischer Lebensmittte (spécialités de Savoie, unzählige Käsesorten). Der Nachmittag war Annecy vorbehalten, vor allem seiner Altstadt, ‘Petite Venise’ (Kleinvenedig) genannt wegen seiner pittoresken Brücken und Wasserläufe.
Der letzte Vormittag, ‘gehaltvoll und ergiebig’, war dem Besuch der ‘Fromagerie’ in Thônes vorbehalten. Einem Film über die Herstellung der heimischen Käsespezialität, des ‘Reblochon’ folgte die  Führung durch den Betrieb - einige hielten sich die Nase zu. Zu aüßerst günstigen Preisen und frisch vom Hersteller wechselten ‘Reblochons’ und Tommes’ die Theke. Zum Schluss zapften sich viele an einem Automat frische, wohlschmeckende Milch.
Am Nachmittag war Kofferpacken angesagt: Das Gepäck wog beim Einladen am folgenden Morgen mehr als zuvor. Der Abschied fiel so manchem schwerer als gedacht, ein gute Zeichen, dass ein Anliegen des Austausches, nämlich deutsch-französische Freundschaft zu fördern, mit Leben erfüllt wurde.
Stellvertretend für ein Gesamturteil der Schüler steht die Aussage eines Jungen: „Wir würden gerne in einer so wunderbaren Gegend zur Schule gehen, aber es müsste unser PWG sein.“

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